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    »Dieser Krimi spielt auf Doggerland,
    einer Inselgruppe in der Nordsee
    zwischen Großbritannien und Dänemark,
    die eigentlich vor 8.000 Jahren versunken ist.
    Doch in diesem Krimi existiert Doggerland
    weiterhin und besteht aus mehreren Inseln.

    AN DER UNHEIMLICHEN KÜSTE
    DOGGERLANDS WARTET DER TOD

Doggerland. Fehltritt
Erscheinungstermin: 27.12.2018

Es ist der Morgen nach dem großen Austernfest.
Kommissarin Karen Eiken Hornby, Ende 40, wacht betrunken neben ihrem arroganten Chef in einem Hotelzimmer auf. Etwa zur gleichen Zeit wird eine Frau brutal in ihrem Haus erschlagen. Das Opfer ist ausgerechnet die Ex-Frau des Mannes, mit dem Hornby gerade die Nacht verbracht hat. Ihr Chef kann den Fall nicht übernehmen, da er zu den potenziellen Verdächtigen gehört. Hornby wittert eine große Chance – sie soll den Fall übernehmen und kann endlich zeigen, dass sie mehr drauf hat. Zuvor muss sie jedoch noch ein anderes Alibi für ihren Chef finden. Hornby beginnt zu suchen. Das Mordopfer kam in einem Kollektiv zur Welt. Nahm dort das Unheil seinen Anfang? An der rauen Küste Doggerlands deckt Karen Eiken Hornby eine alte Lüge auf, die das ganze Land erschüttern wird.

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Leseprobe

Maria Adolfsson
Kriminalroman
Aus dem Schwedischen übersetzt von Stefanie Werner
ISBN 9783471351826
Auch als E-Book erhältlich.

1

Schon bevor sie die Augen aufschlägt, weiß sie es. Hier stimmt etwas nicht. Hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Sie sollte in einem anderen Bett liegen; egal, in welchem, aber nicht in diesem. Die leichten Schnarchgeräusche neben ihr sollten von jemand anderem stammen, ganz gleich, von wem, bloß nicht von ihm. Und mit einer zweifelsfreien Gewissheit, die alle anderen Gedanken verdrängt, ist ihr klar, dass sie von hier verschwinden muss. Auf der Stelle, bevor er aufwacht.

Vorsichtig und so leise wie möglich schlägt Karen Eiken Hornby das Laken zur Seite und setzt sich auf, ohne auf die andere Seite des Doppelbetts zu schauen. Lässt ihren Blick über das Hotelzimmer wandern und entdeckt ihren Slip und BH neben ihren nackten Füßen auf dem Boden, ihr Kleid auf dem Couchtisch neben der grünen Wildlederjacke, die Handtasche auf einem Sessel. Weiter hinten liegen ihre Sneakers noch hinter der halb geöffneten Badezimmertür.

Sie atmet lautlos, während sie jede kleine Bewegung genau überlegt, um diesen Ort schnellstmöglich zu verlassen, sie lauscht den tiefen Atemzügen in ihrem Rücken und holt selbst nur still und flach Luft. Kurz besinnt sie sich, um die Welle der Angst, die das mulmige Gefühl im Bauch angestoßen hat, aufzuhalten. Schließlich legt sie los: Noch einmal atmet sie tief durch, dann bückt sie sich nach dem Slip und streift ihn über. Ganz vorsichtig, damit die Matratze nicht erschüttert wird, erhebt sie sich vom Bett und spürt, wie sich der Raum um sie dreht. Sie hält inne. Dann macht sie geduckt ein paar kleine Schritte, sammelt BH und Strumpfhose ein und greift nach ihrem Kleid und der Jacke. Das Unwohlsein nimmt zu. Sie geht hinüber ins Badezimmer und schließt leise die Tür hinter sich. Für den Bruchteil einer Sekunde zögert sie, dann verriegelt sie das Schloss. Als sie das kleine Klacken vom Schließbolzen hört, erschrickt sie und legt das Ohr an die Tür. Doch alle Geräusche, die sie aus dem Hotelzimmer möglicherweise hören könnte, gehen im Hämmern ihres Herzschlags und im Rauschen ihres Bluts im Kopf völlig unter.

Dann dreht sie sich um.

Das Gesicht, das sie im Spiegel über dem Waschbecken ansieht, ist leer und sonderbar fremd. Voller Selbstverachtung betrachtet sie ihre knallroten Wangen und die Reste der verschmierten Mascara unter ihren Augen. Ihr braunes Haar hängt auf einer Seite platt herunter, während die übrigen Strähnen noch im Dutt im Nacken sitzen. Der lange Pony klebt an der verschwitzten Stirn. Niedergeschlagen begutachtet sie diesen jämmerlichen Zustand und flüstert mit ausgetrocknetem Mund: »Wie kann man nur so blöd sein.«

Die Übelkeit wird schlagartig schlimmer, und sie schafft es gerade noch, sich über das Toilettenbecken zu beugen, bevor sie erbricht. Jetzt ist er wach, denkt sie, während sie hilflos ihrem eigenen Schluchzen lauscht, keuchend aufs nächste Würgen wartet und die Augen schließt, um nicht die Reste der gestrigen Nahrung in der Toilette anschauen zu müssen. Sie wartet ab, aber ihr Magen scheint sich schnell beruhigt zu haben. Kurzfristig erleichtert steht sie auf, dreht den Wasserhahn an und füllt ihre gewölbten Handflächen. Dann spült sie sich den Mund aus und kühlt sich mit dem Wasser das Gesicht, als ihr einfällt, dass die schwarzen Ränder um die Augen nun noch schlimmer aussehen. Doch das ist jetzt auch egal. In dieser Hölle kann es nicht noch heißer werden.

Jetzt ist sie fast fünfzig und hat diesmal wirklich den absoluten Tiefpunkt erreicht. Es fühlt sich an, als sei sie siebzig. Eine kurze und schmerzlose Flucht ist das Einzige, worauf sie jetzt hofft, nach Hause zu fahren, sich hinzulegen und zu sterben. In ihrem eigenen Bett. Aber erst muss sie hier abhauen und bis zum Auto kommen, ohne mit jemandem ein Wort zu wechseln, ohne von jemandem gesehen zu werden. Ein kleiner Hoffnungsschimmer taucht auf, als ihr der Gedanke kommt, dass sie gerade an diesem Tag eine Chance auf eine Flucht ohne Zeugen haben könnte. Viertel nach sieben in der Frühe, und das am Tag nach dem Austernfest, wenn ganz Dunker im Halbschlaf vor sich hin dämmert.

Sie füllt ein Zahnputzglas mit kaltem Wasser und trinkt gierig, während sie mit der freien Hand den Haargummi abzieht und zusieht, wie viele lange Haare darin hängen bleiben. Sie füllt noch mal nach, streift das Kleid über, stopft BH und Strumpfhose in ihre Handtasche, und will gerade die Türklinke herunterdrücken, als ihr etwas einfällt. Spülen muss sie auch noch. Selbst wenn er von diesem Geräusch wach wird, es führt kein Weg daran vorbei; hier darf nichts mehr an sie erinnern. Zittrig und mit zugekniffenen Augen hört sie auf das Geräusch des Wassers, wie es durch das Toilettenbecken rauscht, und das darauf folgende Blubbern, als der Tank sich wieder füllt. Ein paar Sekunden wartet sie noch ab. Als nur noch leises Rieseln zu hören ist, hängt sie sich die Tasche über die Schulter.

Dann holt sie tief Luft und öffnet die Tür.

Er liegt auf dem Rücken, den Kopf in ihre Richtung, und für einen Moment erstarrt sie vor Schreck. Im Gegenlicht sieht es auf den ersten Blick so aus, als würde er sie anschauen. Doch dann erfüllt ein röchelndes Schnarchen wieder den Raum, und sie zuckt zusammen, als die Schockstarre vergeht.

Sechs Sekunden später hat sie ihre Schuhe in der Hand und die Hotelzimmertür geöffnet. Und als sie dasteht, auf dem Weg in die Freiheit, bewegt sie irgendetwas dazu, sich noch ein letztes Mal umzudrehen. Dieser zwanghafte Impuls, als hätte sie auf der Autobahn gerade eine Unfallstelle passiert und gar nicht hinsehen wollen, dann aber doch zurückgeschaut, bringt sie dazu, ihren Blick über den Mann, der da im Bett liegt, wandern zu lassen. Betrachtet den entspannt geöffneten Mund, hört das leichte Gurgeln, das seine Atemzüge begleitet... Mit einem Gefühl von Unwirklichkeit starrt Karen Eiken Hornby ihren Chef drei Sekunden lang an, dann zieht sie hinter sich leise die Tür ins Schloss.



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© 2018 by Maria Adolfsson
© der deutschsprachigen Ausgabe Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2018


#doggerland




Maria Adolfsson

Maria Adolfsson wuchs in Stockholm auf, verbrachte aber viel Zeit auf den schwedischen Schären. Die kahle Landschaft mit ihren verkrüppelten Kiefern und das Meer um die Inselgruppe Åland haben die Autorin früh geprägt. Heute lebt sie in einem Hipsterviertel in Stockholm. Am liebsten sitzt sie auf ihrem Balkon zwischen Rosen, Weinranken und Bougainvilleas und beobachtet von dort aus in sicherer Entfernung ihre Mitmenschen.

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© Caroline Andersson






Doggerland ist eine Inselgruppe in der Nordsee zwischen Großbritannien und Dänemark, die eigentlich vor 8.000 Jahren versunken ist. Doch in diesem Krimi existiert Doggerland weiterhin und besteht aus mehreren Inseln. Die Hauptstadt Dunker ist eine Mischung aus London und Stockholm, es gibt eine ausgeprägte Pub-Szene.

NAME: Karen Eiken Hornby
ALTER: Ende 40
FAMILIENSTAND: verwitwet, 1 verstorbener Mann und 1 verstorbener Sohn
WOHNHAFT IN: Dunker (Hauptstadt von Doggerland)
POSITION: bisher Assistentin des Hauptkommissars, jetzt selbstständige Kommissarin
BESONDERES KENNZEICHEN: untrügliches Gespür für Ungerechtigkeit, sie hat nichts zu verlieren, weil sie schon alles verloren hat
SCHWÄCHEN: Alkohol, unverbindlicher Sex, Zigaretten, Humor

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